Wissen ist Macht – das wusste schon der englische Philosoph Francis Bacon (1561–1626). Doch die Informationsflut, die das Internet mit sich bringt, sorgt dafür, dass Gelesenes oft erstaunlich schnell wieder aus dem Gedächtnis verschwindet. Wir nehmen viel mehr und viel schneller Daten und Fakten auf als jemals zuvor, doch es bleibt scheinbar immer weniger haften.

Warum ist das so? Im Laufe der Zeit hat sich das menschliche Gehirn an die typischen Schriftarten (Arial, Helvetica, Times) gewöhnt. Das bedeutet, dass man Texte in dieser Schrift schneller liest, aber dabei den Inhalt weniger bewusst aufnimmt. Denn das Gehirn muss keine intensiven geistigen Anstrengungen unternehmen.

Nun können wir auf verschiedene Weise versuchen, das Gehirn zu stimulieren und zu unterstützen. Das gelingt auf der einen Seite durch die zusätzliche Nutzung von Bildern, die Text sinnvoll ergänzen. Denn Bilder rufen in kürzerer Zeit als Text Assoziationen hervor und werden schneller eingeprägt. Das ist mein Weg und meine Mission, Sie beim Memorieren zu unterstützen.

Ein weiterer Ansatz ist jedoch, auch mit Typografie den Merkprozess zu verbessern. Denn sie leistet unheimlich viel: sie differenziert und strukturiert, sie hilft das Gelesene schneller zu erfassen und zu verstehen. Und das unbewusst und unbemerkt. Insofern sollte der Gestaltung von Texten viel größere Bedeutung beigemessen werden. Je komplexer der Inhalt, desto anspruchsvoller sollte die Typografie sein.

Wenn Sie also als Lehrender, Coach, Speaker, DozentIn und WissenschaftlerIn erfolgreicher sein wollen, weil Sie es Ihren Kunden leichter machen, dann werden Sie vom nachfolgenden Impuls profitieren.

Eine Schrift, die dem Gehirn auf die Sprünge hilft

Wenn also zu wenig von Texten hängenbleibt, schlussfolgerten australische Wissenschaftler der RMIT-Universität, müsse der Leseprozess künstlich verlangsamt werden. Mit der im Oktober 2018 vorgestellten Schrift „Sans Forgetica“ versucht man genau das zu erreichen. Das Novum dabei: Der Font wurde mit Hilfe von Erkenntnissen aus der Psychologie und Designlehre entwickelt – zwei Disziplinen, die sonst eher selten zusammenarbeiten.

Entdecke das Geheimnis hinter „Sans forgetica“!

Wie kann das funktionieren? Eigentlich gilt ja folgendes: Je einfacher sich eine Schrift lesen lässt, desto besser – sollte man meinen.

Jedoch sind bei dieser Schriftart die Buchstaben an bestimmten Stellen mit Lücken versehen. Eine Schrift mit Stolpersteinen also. Das soll dazu führen, dass sich das Gehirn stärker anstrengen muss, um den Text zu lesen. Für die Wissenschaftler war es wichtig, dass die Schrift zwar schwieriger, aber nicht zu schwierig zu lesen ist. Denn das würde den Leser frustrieren. Durch die größere Anstrengung beim Lesen wird das Gehirn stärker belastet und die Informationen im Text besser abgespeichert.

In einer Untersuchung mit 400 Studenten schlug diese Schriftart traditionelle Computerfonts, wenn es darum ging, Inhalte zu behalten.  Im Vergleich zur beliebten Windows-Schriftart Arial blieb Lernmaterial um immerhin 7 Prozent besser hängen – eine statistisch signifikante Zahl.

Für alle, die etwas Neues lernen möchten, eine große Hilfe. So lernt man mit Karteikärtchen beim Vokabeltraining beispielsweise besser, als wenn man sich einen Wortschatz nur länger ansieht: Die Erschwernis wird Teil des Lernprozesses.

Wie können Sie diese Schrift selbst nutzen?

Damit Sans Forgetica möglichst vielen Menschen Nutzen stiften kann, haben die Forscher am RMIT den Font kostenlos zum Download bereitgestellt. Dann kann man eigene Texte in ihr Abfassen oder Vorhandenes in Word und Co. einfach umwandeln. Nutzen Sie dafür folgenden Link: www.sansforgetica.rmit

Besonders praktisch: Die Forscher haben auch ein Plug-in für den beliebten Browser Chrome entwickelt, mit der sich jeder Onlinetext in Sans Forgetica umwandeln lässt. So kann man einen Fachartikel oder einen Zeitungsbeitrag gleich direkt in der Schrift anzeigen, ohne dass man händisch mit Kopieren und Einfügen tätig werden müsste.

Link zur kompletten Story hinter der Schriftart (PDF Download)

Quellen: ZDF Heute, www.heise.de, Typografischer Verein Austria, RMIT Australien


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